World Magic Cup 2012 – Preview
Als kleine Einstimmung für alle und um die Vorfreude zu steigern, werde ich ein paar Wörtchen zum World Magic Cup (WMC) 2012 verlieren.
World Magic Cup ?
Dieses Turnier findet heuer das erste Mal statt, es wurde als Reaktion nach einem Aufschrei der Community, die die Streichung der Worlds bzw. deren Ersatz durch ein 16-Spieler-Invitational nicht akzeptieren wollte, ins Leben gerufen.
Man könnte also sagen, der World Magic Cup ist so etwas wie die Teamweltmeisterschaft in Magic. Qualifiziert sind je 4 Spieler aus 71 Ländern: der Spieler mit den meisten Pro Punkten im letzten Jahr und die Gewinner der 3 WMCQ-Turniere. Um bei diesen mitspielen zu können, musste man in ein paar Monaten Planeswalker-Punkte sammeln, in AUT 200 - was so ca. 130 Spieler auch geschafft haben. Die Teilnehmerzahlen bei den WMCQs waren stark abnehmend: 83 Leute in Wien, 52 in Graz, 26 in Salzburg.
Der World Magic Cup findet in diesem Jahr auf der GenCon in Indianapolis statt, der wohl weltweit größten Spiele- und Entertainmentmesse.
Meet Team Austria
Eine kurze Vorstellungsrunde, auch wenn man als potentieller Leser die meisten Gesichter kennen wird.
Thomas „Holzi“ Holzinger
Schon seit Bekanntgabe des WMCQ-Modus war klar, dass Holzi der Teamcaptain sein wird. Durch seine ProTour-Top8 und das damit verbundene Platinum.Level hat er in letzter Zeit den Erfolg gefeiert, den er sich schon länger verdient hat. Wer ihn mal bei einem PTQ oder bei Nationals (R.i.p. Wie bitter….) erlebt hat wird bestätigen können, dass er (besonders in Constructed) einfach eine Maschine ist.
Seine Aufgabe im Team Österreich ist neben dem „Kapitänsein“ vor allem das Brechen der diversen Constructed-Formate – für das seltsame BlockConstructed-Revival (toter kann ein Format eigentlich gar nicht sein) mit seiner PT-Top 8 in dem Format genau der richtige Mann.
Gerald Leitzinger
Habe den WMCQ im SpielRaum Wien gewonnen: gutes Timing, weil das einzige Turnier im ganzen Jahr, für das ich fix Zeit habe (Danke, Sommerferien!). Nachdem ich seit 2003 jedes Jahr bei den NATS versucht habe, ins NationalsTeam zu kommen, und häufiger knapp gescheitert bin, eine Genugtuung – ich bin so richtig motiviert!
Neben der Planung des ganzen Trips habe ich mich ziemlich in das 12-Booster-Sealed reingehängt und auch sonst für CoreSet-Limited einiges gemacht. Zwei Wochen durchgehend Standard zu testen sollte sich bezahlt machen.
Thomas Angelmahr
Seine Qualifikation in Graz sorgte für einige Aufregung, neben Zweifel an den Fähigkeiten hatte das wohl auch mit Auftreten und Selbsteinschätzung zu tun. Über einen Newcomer, der vor einiger Zeit von Yu-Gi-Oh! zu Magic gekommen ist, urteilt die Community in einer nicht sehr positiven Art und Weise.
Die Kooperation im Team funktioniert, für Standard ist Thomas auf alle Fälle gerüstet und wenn es beim Draft so halbwegs klappt, kann man sich ein starkes Ergebnis erhoffen.
Benjamin Leitner
Der erfolgreichste österreichische Nachwuchsspieler seit Chris Wolf (oder seit Bruno Gatty?) oder wie Rich Hagon (PT Historian und Coverage-Stimme) ihn beschreibt „a young man who I think may have a big future in the game—Ben Leitner."
Eines ist klar, mit 14 Jahren auf der ersten PT zu cashen, auf 2 GPs zu cashen und schon etliche PTQ-Top 8 zu haben, ist außergewöhnlich. Benni hat sich ordentlich ins Standardtesten geworfen und dürfte diesem Format auch in den möglichen Top 16 treu bleiben.
Honorable Member: Valentin Mackl
Mr. Mackl ist auch in Indianapolis, um an der ersten und letzten FNM-Championship teilzunehmen. War unglaublich motiviert beim Testen, hat sich zu nachtschlafender Zeit in den SpielRaum gequält und hat einen Salzburgbesuch zum Testen mit Holzi genutzt.
Sollte Österreich ein gutes WMC-Ergebnis abliefern ist es sicher auch sein Verdienst.
Die anderen Nationen
Sollten es alle Länder schaffen zumindest 3 Teammember rechtzeitig nach Indianapolis zu bringen, dann kämpfen 71 Nationen um den Titel.
Ein paar Gedanken zu möglichen Favoriten:
• 12 Nationen haben einen Platinumlevel-Pro als Teamkapitän, die U.S.A mit LSV sogar noch einen weiteren im Team:
Österreich, Brasilien, Kanada, Taiwan, Tschechien, England, Frankreich, Italien, Japan, Slowakei, Schweden, U.S.A..
• Von den 284 Spielern sind mir ungefähr 60 Leute aufgrund ihrer Erfolge oder regelmäßigen Teilnahme auf der Tour bekannt.
• Durch den Ablauf des Turniers (siehe unten) sollte man zumindest 3 starke Spieler haben, da man einen Schwächeren einfach kompensieren kann.
Aus diesen Aspekten ergeben sich die folgenden Einschätzungen:
Top-Favoriten
- Belgien: 4 starke Spieler, wohl das ausgeglichenste Team
- Slowakei: auch lauter gute Leute
- U.S.A.: LSV + Kibler = viel zu gut
Favoriten
- Kanada: wenn der Miracle-Mann wieder so abgeht
- Brasilien: PV alleine könnte gut genug sein
- Australien: 3 bekannte Namen, Neeman ist nicht zu unterschätzen
- England: könnten für eine Überraschung sorgen
- Japan: Magic-Großmacht + Watanabe
- Schweden: 3 Leute, die man kennt
Allgemein ist das schwierig einzuschätzen, weil das Format in dieser Form noch nie verwendet wurde und sich daraus einige Überraschungen ergeben könnten (z.B. Hammergruppen in der ersten Gruppenphase).
Das führt uns schon zum nächsten Punkt:
Das Turnier - Ablauf
Freitag
Am ersten Tag ist es im Prinzip ein „normales Turnier“ für 284 Spieler, wobei man nicht gegen einen Landsmann gepaired werden und auch nicht im selben Draftpod sitzen kann. Jeder Spieler versucht, ein möglichst gutes Ergebnis zu erreichen – noch kein Teamaspekt.
3 Runden Magic 2013 Draft
Je nach Losglück sitzt man an einem einfacheren oder schwierigeren der 36 Drafttische und versucht ein Deck zu draften, das die ersten 3 Runden gewinnen kann.
Wie immer beim CoreSet ist die Komplexität im Vergleich zu anderen Sets reduziert, M 2013 spielt sich aber ganz angenehm. Der Vorteil, den man als guter Limitedspieler im Normalfall hat, dürfte also deutlich kleiner sein und mit Überraschungen ist zu rechnen.
Beim Draften kann man sich eine gute Ausgangsposition holen oder sich die weitere Aufgabe ungemein erschweren.
Zu beachten ist auch noch, dass es einige 7-Mann-Tische geben wird, an denen man im schlimmsten Fall 1-2 gehen kann.
4 Runden Standard
Das Format, mit dem sich wohl alle Teilnehmer intensiv beschäftigt haben. Grob kann man foglendes dazu sagen:
Das Metagame zerfällt in 4 große Bereiche:
1. Delver in unterschiedlichen Ausformungen, immer noch das beste Deck
2. Birthing.Pod Varianten in 2-4 Farben, besonders Naya und Bant
3. WolfRun-Rampe in verschiedenen Zubereitungsarten
4. Aggrodecks: GR, Zombies, MonoGrün, Naya.Aggro
Kontrolle scheint nicht wirklich möglich zu sein, Kombo in Form von Elfen ist kurz aufgetaucht – dürfte sich aber nicht durchgesetzt haben.
Der unbekannte Faktor ist, wie sehr sich das Metagame beim WMC von dem bei den wöchentlich stattfindenden SCG-Open unterscheidet.
NACH DEN 7 RUNDEN werden die Punkte der 3 besten Spieler jedes Landes addiert, der 4. Spieler fällt weg und kann am 2. Tag nur mehr als Coach fungieren. Wenn sein Team unter die ersten 32 Länder gekommen ist, die am 2. Tag weiterspielen dürfen.
Berechnungen, um ein Vorhersage treffen zu können, wie viele Punkte man dafür brauchen wird, führten zu keiner mathematisch exakten Aussage, es scheint aber sehr wahrscheinlich, dass man mit mehr als 36 Punkten weiterkommt. Bedeutet als zwei Spieler mit 4-3 und ein Spieler mit 4-2-1 oder besser.
Ideal wäre es, sich unter den ersten 16 Nationen zu befinden, da diese Platzierung in den Gruppenphasen des 2. Tages als Tiebreaker dient.
Samstag
Gruppenphase 1 - 3 Runden 12 Booster M2013 Sealed
Jetzt geht es in 8 Vierergruppen weiter und die zwei ersten jeder Gruppe qualifizieren sich für die Top 16. Wie man von Gruppenspielen bei diversen anderen Sportveranstaltungen weiß (Fußball-WM etc.). kann es passieren, dass 2 Siege 1 Niederlage nicht ausreicht weil man nur 3. wird. Diese Gefahr kann man durch den Tiebreaker-Teamplatzierung allerdings im Vorfeld abschätzen.
Zum Format selbst kann und will ich an dieser Stelle nichts Weiteres sagen, wer ähnlich wie ich seit der Steinzeit Magic spielt (Hallo Charly! Hallo Oli! Hallo Chriga!), wird sich an ein PTQ- und PT-Format erinnern, das so ähnlich war. Kommunikation im Team wird wichtig sein, wer dort erst alles genau besprechen muss wird schnell ein Zeitproblem bekommen.
Gruppenphase 2 – 3 Runden Standard/Block/Modern
Wieder werden die verbliebenen Teams in Vierergruppen eingeteilt, doch jetzt macht es sich bezahlt, wenn man neben Standard auch noch andere Formate gestestet hat.
Ein Spieler bewaffnet sich mit einem Modern-Deck, einer mit Block-Constructed und einer darf wieder Standard spielen.
Block Constructed ist seit der PT eigentlich tot, wird aber auf MODO gespielt – es sind keine großen Überraschungen zu erwarten: Miracle.deck, Naya-Aggro, Reanimator, Jund-Removal.deck etc.
Modern ist ein lebendigeres Format, vor einiger Zeit gab es einen GP, den Affinity gewonnen hat. Das Metagame sieht ein wenig wie Standard aus: Delver, Birthing Pod – dazu aber Aggro und Kombo wie Splinter-Twin und Storm.
Wer in seiner Gruppe Erster oder Zweiter wird hat es in die Top 8 geschafft und darf am Sonntag weitermachen.
Sonntag
Wie bei den Top 8 einer ProTour werden die Teams von 1-8 gereiht und in das übliche Raster gesetzt (1 gegen 8, 2 gegen 7, etc.). Ab jetzt ist Single Elimination angesagt, gespielt wird mit denselben Decks wie in der 2. Phase am Samstag. Es gebe die Möglichkeit die Piloten der Decks auszutauschen, der Sinn hat sich mir aber nicht ganz erschlossen.
Schließlich haben wir ein Nationalteam, das alle anderen besiegt hat und sich World Magic Cup Champion 2012 nennen darf.
Eigene Erwartungen oder „Wer ma Wödmasta?“
Das ist relativ schwierig zu beantworten, grundsätzlich kann alles passieren. Aber ich denke es sollte für Österreich einiges möglich sein.
Dass BDM bzw. Richard Hagon uns zu den 8 Favoriten für Top 8 zählen freut uns zwar, zeigt aber auf der anderen Seite wie Coverage funktioniert: Coverage = Marketing, die gute Story zählt und mit objektiver Einschätzung hat das wenig zu tun. Und nach seinem Start auf der PT Honolulu zu Beginn des Jahres wäre Benni Leitner als WMC Champion natürlich eine super Geschichte – Austrian Wunderkind oder so………..;-)
Für den ersten Tag mit Standard und Boosterdraft sind wir überdurchschnittlich gut vorbereitet, gerade wenn man das Verhältnis 60 „bekannte Spieler“ vs. 220 „unbekannte Spieler“ bedenkt ist etwas Glück bei den Pairings sicher nicht verkehrt.
Wer zuhause vor der Coverage sitzt, kann fleißig mitrechnen – 39 Punkte sind einmal das erste Ziel für Top 32, d.h. 13 Siege über 3 Leute verteilt. Sollte jemand so richtig abgehen, könnten zwei durchschnittliche Ergebnisse dazu reichen, um uns in die wichtigen Top 16 zu katapultieren.
Zusammengefasst: man kann einen miesen Tag haben, wer selbst schon ProTour gespielt hat, weiß wie leicht man einfach sterben geht, ohne groß was falsch zu machen. ABER 4-3 sollte für jeden von uns möglich sein, einer schafft einen Sieg mehr und wir sind an Day 2.
Darüber, wer von uns rausfliegt und an den nächsten beiden Tagen zuschauen muss/darf, haben wir uns überhaupt keine Gedanken gemacht. Unsere Zusammenarbeit im Team ist so gut, dass wir dann aus der jeweiligen Situation das Beste rausholen werden.
Die erste Phase am 2. Tag ist mit Teamsealed auf der einen Seite natürlich glücksabhängig, in die Top 16 zu kommen um mind. 1000 $ zu kassieren aber extrem erstrebenswert.
Es ist meine Mission uns in die Top 16 zu bringen und mit 40 gebauten Sealed-Pools sollten wir schon einen Vorsprung gegenüber (fast) allen anderen Teams haben.
Die 2. Gruppenphase wird auch viel von Matchups entschieden werden. Trifft man auf Teams, gegen die die eigene Deckwahl in 2-3 Formaten gut war, hat man es obv. leichter.
Durch den 4. Mann als Unterstützung sollten wir die schwierigen Plays besser machen können und mit etwas Glück sind die Top 8 schon in Reichweite.
Ich schließe mit einem Zitat von B.Leitner: „Natürlich fahren wir nach Indianapolis, um das Ding zu gewinnen!“
Coverage gucken und Daumen halten :-)
Wer Zeit und Lust hat kann sich dem Livestream widmen, im SpielRaum Wien wird es eine Art Public Viewing geben.
Bis dann!
Gerald Leitzinger